Reformation, die früher begannen...

Eine feste Burg ist unser Gott...
 
1.  Ein feste Burg ist unser Gott, / ein gute Wehr und Waffen. / Er hilft uns frei aus aller Not, / die uns jetzt hat betroffen. / Der alt böse Feind / mit Ernst er's jetzt meint; / groß Macht und viel List / sein grausam Rüstung ist, / auf Erd ist nicht seinsgleichen.

2.  Mit unsrer Macht ist nichts getan, / wir sind gar bald verloren; / es streit' für uns der rechte Mann, / den Gott hat selbst erkoren. / Fragst du, wer der ist? / Er heißt Jesus Christ, / der Herr Zebaoth, / und ist kein andrer Gott, / das Feld muß er behalten.

3.  Und wenn die Welt voll Teufel wär / und wollt uns gar verschlingen, / so fürchten wir uns nicht so sehr, / es soll uns doch gelingen. / Der Fürst dieser Welt, / wie sau'r er sich stellt, / tut er uns doch nicht; / das macht, er ist gericht': / ein Wörtlein kann ihn fällen.

4.  Das Wort sie sollen lassen stahn / und kein' Dank dazu haben; / er ist bei uns wohl auf dem Plan / mit seinem Geist und Gaben. / Nehmen sie den Leib, / Gut, Ehr, Kind und Weib: / laß fahren dahin, / sie haben's kein' Gewinn, / das Reich muß uns doch bleiben.

Text und Melodie: Martin Luther 1529
 

 
Reformation begann früher...
Dies ist eine Seite zu Gedanken der Reformation, die eben nicht mit Martin Luther anfing, sondern er führte Gottes Auftrag fort, ohne dass er es vorher wußte...
Gott benutzt uns Menschen, damit sein Plan doch aufgeht!
 
 
Reform der Kirche
 
 
               John Wiclif
 
Erneuerungen, Veränderungen und Gegenbewegungen gab es schon immer. Gott selber ist die Bewegung. Schauen wir uns seine Schöpfung an. Da geht Bewegung und Veränderung los und wird mit der Erfüllung der Offenbarung enden. Selbst dann wird es noch Erneuerungen und Bewegungen geben.
Hier die Schöpfungsgechichte nach "Hoffnung für alle", 1. Mose 1, 1 - 31:


1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2 Noch war die Erde leer und ohne Leben, von Wassermassen bedeckt. Finsternis herrschte, aber über dem Wasser schwebte der Geist Gottes.
3 Da sprach Gott: "Licht soll entstehen!", und es wurde hell.
4 Gott sah, dass es gut war. Er trennte das Licht von der Dunkelheit
5 und nannte das Licht "Tag" und die Dunkelheit "Nacht". Es wurde Abend und wieder Morgen: Der erste Tag war vergangen.
6 Und Gott befahl: "Im Wasser soll sich ein Gewölbe bilden, das die Wassermassen voneinander trennt!"
7 So geschah es: Er machte ein Gewölbe und trennte damit das Wasser darüber von dem Wasser, das die Erde bedeckte.
8 Das Gewölbe nannte er "Himmel". Es wurde Abend und wieder Morgen: Der zweite Tag war vergangen.
9 Dann sprach Gott: "Die Wassermassen auf der Erde sollen zusammenfließen, damit das Land zum Vorschein kommt!" So geschah es.
10 Gott nannte das trockene Land "Erde" und das Wasser "Meer". Was er sah, gefiel ihm, denn es war gut.
11 Und Gott sprach: "Auf der Erde soll es grünen und blühen: Alle Arten von Pflanzen und Bäumen sollen wachsen und Samen und Früchte tragen!" So geschah es.
12 Die Erde brachte Pflanzen und Bäume in ihrer ganzen Vielfalt hervor. Gott sah es und freute sich, denn es war gut.
13 Es wurde Abend und Morgen: Der dritte Tag war vergangen.
14 Da befahl Gott: "Am Himmel sollen Lichter entstehen, die den Tag und die Nacht voneinander trennen und nach denen man die Jahreszeiten und auch die Tage und Jahre bestimmen kann!
15 Sie sollen die Erde erhellen." Und so geschah es.
16 Gott schuf zwei große Lichter, die Sonne für den Tag und den Mond für die Nacht, dazu alle Sterne.
17 Er setzte sie an den Himmel, um die Erde zu erhellen,
18 Tag und Nacht zu bestimmen und Licht und Finsternis zu unterscheiden. Gott sah es und freute sich, denn es war gut.
19 Wieder wurde es Abend und Morgen: Der vierte Tag war vergangen.
20 Dann sprach Gott: "Im Wasser soll es von Leben wimmeln, und Vögel sollen am Himmel fliegen!"
21 Er schuf die großen Seetiere und alle anderen Lebewesen im Wasser, dazu die Vögel. Gott sah, dass es gut war.
22 Er segnete sie und sagte: "Vermehrt euch, und füllt die Meere, und auch ihr Vögel, vermehrt euch!"
23 Es wurde Abend und wieder Morgen: Der fünfte Tag war vergangen.
24 Darauf befahl er: "Die Erde soll Leben hervorbringen: Vieh, wilde Tiere und Kriechtiere!" So geschah es.
25 Gott schuf alle Arten von Vieh, wilden Tieren und Kriechtieren. Auch daran freute er sich, denn es war gut.
26 Dann sagte Gott: "Jetzt wollen wir den Menschen machen, unser Ebenbild, das uns ähnlich ist. Er soll über die ganze Erde verfügen: über die Tiere im Meer, am Himmel und auf der Erde."
27 So schuf Gott den Menschen als sein Ebenbild, als Mann und Frau schuf er sie.
28 Er segnete sie und sprach: "Vermehrt euch, bevölkert die Erde, und nehmt sie in Besitz! Ihr sollt Macht haben über alle Tiere: über die Fische, die Vögel und alle anderen Tiere auf der Erde!
29 Ihr dürft die Früchte aller Pflanzen und Bäume essen;
30 den Vögeln und Landtieren gebe ich Gras und Blätter zur Nahrung."
31 Dann betrachtete Gott alles, was er geschaffen hatte, und es war sehr gut! Es wurde Abend und wieder Morgen: Der sechste Tag war vergangen.


Wunderbare Aussage der BIbel.
Reform heißt also: Erneuerung, Veränderung und Bewegung. Einige Verse weiter sehen wir, dass da wo Gott etwas bewegt, sein Gegenspieler auch etwas bewegen will. Dass der Gegenspieler nicht weit kommt, erkennen wir spätestens seit der Auferstehung vom Tod aus dem Grab.
Wenn ich also hier die Reformatoren des 15. Jahrhundert, also noch vor LUTHER in kurfürstlichen Sachsen, aufzeige, dann deshalb, weil gerade diese beiden den Mut hatten, Gottes Auftrag, Jesus Christus und die Bibel den "gemeinen" Volk nahezubringen. Ich spreche hier von John Wiclif und Jan Hus, beide Zeitgenossen. John Wiclif war Priester und Theologe in Großbritanien und Jan Hus Priester und Gelehrter in Pag, in Techien. Es gab sogar ein Briefkontakt zwischen den Beiden. John Wiclif wurde nicht verfolgt wie Jan Hus. Hier einiges von Wiclif. Wyclif proklamierte die Lehre von der „Macht allein durch Gnade”, der zufolge Gott selbst jede Autorität direkt verleiht, und bestritt den politischen Machtanspruch des Papstes und propagierte ein frühes „König-Gottes-Gnadentum“. Das heißt nach uralten Verständnis, ein König wird nur von Gottes Gnaden eingesetzt, nicht aber durch den Papst.
Sein juristisch-theologischer und politischer Einfluss auf die Zusammenstellung königlicher Beschwerden gegen den Papst war groß, die 1376 das Gute Parlament vortrug. Einen Prozess gegen den Papst, den Wicliff 1370 allein noch verloren hatte, wurde gekrönt 1373–1375 von jenem über die ausstehenden Zahlungen, in dem er sich durchsetzte; und mündete in einen Prozess 1377, den der Papst gegen Sentenzen aus Wyclifs Werken führte, der dank des großen Ansehens, das Wyclif an der Universität und im Volk genoss, 1378 im Sande verlief. Dadurch ermutigt, wandte sich Wyclif nun offen gegen den politischen Einfluss des Klerus überhaupt und bekämpfte das päpstliche „Antichristentum“.
Er lehrte: „Alles ist Gott; jedes Wesen ist überall, da jedes Wesen Gott ist.“ und „Alles, was geschieht, geschieht mit absoluter Notwendigkeit, auch das Böse geschieht mit Notwendigkeit, und Gottes Freiheit besteht darin, daß er das Notwendige will.“ Er missbilligte folglich Bilder-, Heiligen-, Reliquienverehrung und den Priesterzölibat, verwarf aufgrund seines Realismus die Transsubstantiationslehre und die Ohrenbeichte. Von ihm ausgebildete rötlich gekleidete Reiseprediger („arme Priester“ genannt) verbreiteten Grundsätze im Volk, die an protestantische Lehren 150 Jahre später erinnern. Seine Lehren fanden in großen Teilen der Bevölkerung Zustimmung und beeinflussten maßgeblich den Aufstand der englischen Bauern von 1381.
Wyclif starb 1384 an den Folgen eines Schlaganfalls während der Messe.

Die späteren Anhänger Wyclif’schen Gedankengutes, die Lollarden, wurden erst nach einer missglückten Revolte ab 1400 vom englischen Staat scharf verfolgt. 1401 wurde Wilhelm Sawtre ihr erster Märtyrer. Jedoch kann man die teilweise brutale Inquisition europäischer Ketzer, wie z. B. bei den Katharern oder Waldensern, nicht mit der englischen Verfolgung vergleichen. Diese war durch ihre relative Milde und Rücksicht auf die im Untergrund weiter lebenden Lollarden geprägt, so dass sich in vielen Familien die Wyclif’schen Ansichten bis zur Reformation erhielten.

Am Ende der Verfolgung durch den englischen König wurden 1412 267 Sentenzen von Wyclif in London als häretisch verurteilt. Drei Jahre später bestimmte das Konzil von Konstanz, alle Schriften Wyclifs zu verbrennen, und erklärte ihn 30 Jahre nach seinem Tod am 4. Mai 1415 zum Ketzer, verdammte weitere 45 Sentenzen von ihm und befahl, seine Gebeine auszugraben und zu verbrennen, was dreizehn Jahre später, 1428, durch Bischof Robert Flemming von Lincoln geschah.

Zu Ehren John Wyclifs hat sich eine nichtkommerzielle evangelikale Organisation, die sich für die weltweite Verbreitung der Bibel durch Erarbeitung von Bibelübersetzungen vor allem für Sprachgruppen einsetzt, die bisher noch nicht schriftlich fixiert sind, den Namen Wycliff gegeben.

Mich persönlich hat aber Jan Hus ganz arg angesprochen. Luther wird oft mit Hus verglichen und Luther selbst hatte viele Gedankengüter von Hus übernommen. Dennoch: Hus ist Hus und Luther ist Luther!
Vieles durfte ich mit  ganz freundlicher Genehmigung aus http://www.glaubensstimme.de/ übernehmen, weil ich sehr begeistert von der Lehre und dem Leben Jan Hus bin.
Lest nun selber das, was ich über und von Johannes Hus heraus gesucht habe.

Reformbewegungen

Schon vor dem eigentlichen Beginn der Reformation gab es innerkirchliche Reformbemühungen. Der Pfarrer John Wyclif, der im 14. Jahrhundert in England wirkte, gilt als "Vorläufer der Reformation". Zunächst Lehrer in Oxford übernahm er 1374 eine Pfarrei in Lutterworth. Zu diesem Zeitpunkt herrschte in England aufgrund der Steuern, die an Rom abzuführen waren, eine stark antipäpstliche Stimmung. Wyclif vertrat unter Berufung auf die Bibel ein kirchliches Reformprogramm und kritisierte offen die Missstände im Klerus. Er lehnte Bilder-, Heiligen- und Reliquienkult sowie Zölibat und Transsubstantiationslehre ab. Für seine Reformvorschläge erhielt er zunächst Unterstützung vom englischen König, der um eine größere Autonomie der Kirche in England bemüht war. Nachdem der Papst einen Prozess gegen Wyclif eingeleitet hatte, bezeichnete dieser ihn als "Antichrist". Durch den Einfluss der Orden wurden Wyclifs Lehren von der Universität und der Synode als häretisch verurteilt, Wyclif selbst aber aus Angst vor einem Volksaufstand nicht angeklagt. Erst das Konstanzer Konzil verurteilte ihn 1415 zum Ketzer und ließ seine Gebeine posthum verbrennen. Seine Ideen lebten in der Bewegung der Lollarden weiter.
wIclif

Ausdrücklich auf Wyclif berief sich Jan Hus, der an der Universität in Prag mit Gedankengut von Wyclif in Berührung kam, das über tschechische Studenten aus Oxford in die Stadt gelangt war. Hus studierte Theologie und wurde Professor an der Universität. Er kritisierte offen die Habsucht und Verweltlichung des Klerus und plädierte für eine grundlegende Reform auf der Grundlage der Bibel. Außerdem erkannte er den Papst nicht als höchste Autorität in Glaubensdingen an. Hus' Kritik stieß zur Beunruhigung der Kirche in der Bevölkerung auf großen Zuspruch. 1408 wurde er seines Amtes enthoben und 14
11 exkommuniziert, woraufhin in Prag Unruhen ausbrachen. Hus wirkte als Wanderprediger weiter und entwarf eine Lehre von der Kirche als hierarchiefreie Gemeinde unter dem Haupt Christus. 1414 wurde Hus vor das Konstanzer Konzil geladen, wo er seine Aussagen widerrufen sollte. Entgegen der Zusage freien Geleits durch König Sigismund wurde Hus 1415 als Ketzer verbrannt. In der Folge bildeten sich zahlreiche Strömungen, die sich direkt auf Jan Hus bezogen u
 
nd daher „Hussiten“ genannt wurden. Von 1419 bis 1436 kam es in Böhmen zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen diesen Gruppen und dem böhmischen König (Hussitenkriege).

Zahlreiche von John Wyclif und Jan Hus formulierte Kritikpunkte und Vorschläge wurden von den Reformatoren aufgenommen und weiterentwickelt.
 

 
Jan Hus
 
Biographie Johann Hus

1369 - 1415
 

Hus ist um 1369 in Hussinetz, einem an der böhmisch - bayrischen Grenze gelegenen Dorf geboren. Er stammte aus einer armen tschechischen Familie und mußte sich als Sängerknabe mühsam durch seine Schulzeit durchbringen. An der Universität Prag gewann er bald großes Ansehen, obwohl er niemals den Doktorgrad erworben hat. Von großer Bedeutung wurde für ihn die Kenntnis der Schriften Wiclifs, die mit Beginn des 15. Jahrhunderts in Böhmen bekannt wurden und einen tiefen Eindruck machten. Fast alles, was Hus gegen die päpstliche Kirche lehrte, stammt aus Wiclifs Schriften. Besonders verlangte er auch, daß das Abendmahl unter beiderlei Gestalten gefeiert wurde, d.h. daß man den Laien nicht den Kelch entziehe.

Zum 1. November 1414 war ein allgemeines Konzil nach Konstanz berufen worden, um dem Doppelpapsttum ein Ende zu machen. Auf diesem Konzil sollte auch die Angelegenheit von Hus verhandelt werden. Vom deutschen König Sigismund erhielt Hus die Zusicherung freien Geleits. Trotz trüber Ahnungen machte er sich auf den Weg. Obwohl er sich in Prag als rechter Deutschenfeind bewiesen hatte, wurde er von den Deutschen überall freundlich aufgenommen; zahlreiche Anhänger und Bewunderer suchten ihn in seiner Wohnung in Konstanz auf. Das verdroß den Papst aufs äußerste. Er ließ Hus eines Tages zu einer Besprechung mit Kardinälen in die Wohnung eines Konstanzer Domherrn einladen und dort gefangensetzen, ja einige Tage später in das Dominikanerkloster bringen, wo er in ein finsteres, neben der Kloake gelegenes Gelaß gesteckt wurde. Sigismund war noch auf der Reise nach Konstanz, als er von der hinterlistigen Gefangennahme erfuhr. Er war aufs höchste empört und befahl den Kirchenleuten, Hus sofort freizulassen; andernfalls werde er das Konzil verlassen. Jene aber erwiderten kühl, dann werde eben das Konzil aufgelöst, und da dem Kaiser mehr als dem Papste daran lag, zu einer Einigung in der Kirche zu kommen, gab er nach. Damit war das Schicksal Hussens besiegelt. Er war inzwischen auf die Burg des Bischofs von Konstanz gebracht worden. Hier blieb er 73 Tage in schrecklicher Haft, bei Tag gefesselt, des Nachts mit den Händen an die Wand gekettet, schlecht genährt und krank. Als er endlich vor dem Konzil verhört wurde, ließ man ihm keine Möglichkeit, sich zu verteidigen. Öffnete er den Mund, so schrien alle auf ihn ein und schalten ihn einen verstockten Ketzer; schwieg er, so deuteten sie dies als Eingeständnis seines Irrtums. Andere Verhöre folgten, aber es gelang nicht, Hus zum bedingungslosen Widerruf zu bewegen. Am 6. Juli 1415 erfolgte in feierlicher Vollversammlung des Konzils seine Verurteilung. Vergebens berief er sich darauf, daß er freiwillig nach Konstanz gekommen sei, nachdem ihm der König Sigismund - der bei dieser Sitzung anwesend war! - freies Geleit zugesichert habe.

Es folgte die Ausstoßung aus der Kirche. Hus, den man mit seinem vollen Priesterornat bekleidet hatte, wurde noch einmal zum Widerruf aufgefordert. Als er wiederum ablehnte, wurde ihm unter feierlicher Verfluchung Stück für Stück seine priesterliche Kleidung abgenommen. Als ein Ketzer wurde er dem weltlichen Strafgericht übergeben, verkündete der Sprecher des Konzils, und die Anwesenden fügten hinzu: „Deine Seele übergeben wir dem Teufel!“ Hus aber antwortete: „Und ich befehle sie dem gnädigen Herrn Jesu Christo.“ Man hatte ihm eine spitze Papiermütze aufgesetzt, auf der das Wort „Erzketzer“ geschrieben war. Hus sagte: „Mein Herr
Jesus Christus hat für mich Armen eine viel härtere, drückendere Dornenkrone schuldlos zu seinem allerschmählichsten Tode getragen; darum will ich armer sündiger Mensch gerne diese Krone tragen um seines Namens und seiner Wahrheit willen!“

Danach wurde Hus zur Richtstätte geführt. Die Henker entkleideten ihn und banden ihn an einen Pfahl, um den Holz mit Stroh aufgeschichtet war. Der Scheiterhaufen wurde angezündet. Mit erhobener Sti
mme sang Hus: „Christus, du Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich meiner“, bis er erstickte. Seine Asche wurde in den Rhein gestreut.

Als die Nachricht von Hus' Tode nach Böhmen gelangte, entstand eine ungeheure Erregung. Schon vorher hatte der größte Teil des tschechischen Volkes an ihm wie an einem Propheten gehangen, nun wurde er als Märtyrer verehrt; sein Tode
stag, der 6. Juli, wurde fortan als ein Feiertag begangen. Fast der ganze Adel des Landes tat sich zusammen und gelbte der Lehre des Märtyrers treu zu bleiben. Da starb König Wenzel, der bisher noch immer vermittelt hatte, und die böhmische Krone ging an seinen Bruder, König Sigismund, über, gegen den sich nun das ganze Land erhob. Auf seinen Wunsch rief der Papst die Christenheit zum Kampf gegen die aufständischen Hussiten auf; so kam es zu den blutigen Hussitenkriegen, in denen besonders der Feldherr Ziska für die Tschechen große Erfolge errang und weite deutsche Gebiete verheerte. Erst als unter den Hussiten selbst Zwistigkeiten ausbrachen und der Papst der gemäßigten Partei entgegenkam, gelang es ihm, der katholischen Sache zum Siege zu verhelfen. 1433 nahm der böhmische Landtag ein Gesetz an, wonach den Gläubigen im Abendmahl nicht nur das Brot, sondern auch der Kelch gereicht werden solle. Das war das einzige Zugeständnis, das der Papst gemacht hatte.
konstanz hus
  Konstanz, wo er hingerichtet wurde.                                Jan Hus                     
 
 
Jan Hus - De Ecclesia

 
(Wir geben hier den Hauptinhalt dieser bedeutendsten von Hus theologischen Schriften im Auszuge, wobei wir, wenn auch nicht überall die äußerliche Ordnung, in welcher die einzelnen hier aufgenommenen Gedanken in jener Schrift aufeinander folgen, wohl aber die innere Verbindung, in der sie mit einander zusammenhängen, befolgen, und fast durchaus der eigenen Worte und eigentümlichen Wendungen des Verfassers uns bedienen.)

Die Menschen scheiden sich im Hinblick auf ihre ewige Bestimmung in solche, welche durch die gnadenvolle Erwählung von Seiten Gottes entweder zur zeitlichen Gerechtigkeit und Erlangung der Sündenvergebung, oder zur Erlangung der himmlischen Seligkeit vorher bestimmt - praedestinati sind, von denen die letzteren niemals aus der Gnade fallen können, die ersteren dagegen des ewigen Lebens nur dann, wenn sie im Guten beharren, teilhaftig werden; und in solche, welche zur ewigen Verdammnis vorhergewusst - praesciti sind. Die Berührung ist ein freier Gnadenact Gottes, zu welcher das Verdienst des Menschen nichts tut und nichts tun kann; aber die Gnade Gottes beruft nur diejenigen, welche er vermöge seiner Allwissenheit als tugendhaft vorhersieht. Vergleichbar ist es umgekehrt mit den Vorhergewussten zur Verdammnis.

Die Gesamtheit aller Prädestinierten, der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen, ist die wahre heilige allgemeine - katholische - Kirche. Sie ist der mystische Leib Christi, wovon er das Haupt; sie ist die Braut Christi, die er aus Liebe erlöst hat durch sein Blut, um sie dereinst ohne Flecken und Falten, ohne Tod und Sünden ruhmreich zu besitzen. Die gegenwärtigen Prädestinierten, so lange sie hier auf Erden zur Heimat wallen, bilden die streitende Kirche, welche Christi Kriegsdienst übt gegen die Welt, das Fleisch und den Teufel; die im Fegefeuer weilenden und auf das Eingehen in die Seligkeit harrenden Prädestinierten heißen die schlafende Kirche; die Seligen, welche sich in der ewigen Heimat befinden, machen die triumphierende Kirche aus. Alle diese drei Teile der einen Kirche sind verbunden durch das Band der Liebe, in welcher sie einander nicht verlassen, und einer auf den anderen unablässig wirken.

Die Kirche in ihrer äußeren Erscheinung umfasst die Prädestinierten wie die Präsciten. Denn nicht alle, welche in der Kirche, sind auch von der Kirche, wie es im menschlichen Körper manches gibt, was nicht vom Körper ist, „velut sputum, stercus, apostema“. Vierfach ist, mit Rücksicht auf Schein und Wahrheit die Beschaffenheit der Wanderer nach der heil. Kirche. Einige sind darin dem Namen und der Wirklichkeit nach, das sind die Prädestinierten und anerkannten Gläubigen, die Christo gehorchen; andere der Wirklichkeit, aber nicht dem Namen nach, nämlich solche, die von den Satrapen des Antichrist aus der Kirche gestoßen sind, wie die Pharisäer unsern Erlöser als Gotteslästerer und Häretiker zum Tode verurteilt haben; noch andere dem Namen, aber nicht der Wirklichkeit nach, die heuchlerischen Präsciten; endlich welche weder dem Namen, noch der Wirklichkeit nach, die heidnischen Präsciten. Die Kirche in ihrer äußeren Erscheinung ist die Tenne des Herrn, in welcher gute und böse, Prädestinierte und Präscite gemischt sind, wie Unkraut unter dem Weizen, wie Spreu unter den Körnern; die einen, um in die Scheuer des himmlischen Vaterlandes einzugehen, die andern, um durch unauslöschliches Feuer gebrannt zu werden. Die Präsciten erscheinen in Christi Gleichnissen als törichte Jungfrauen, als schlimme Hochzeitsgäste, als der Mensch ohne hochzeitliches Kleid, als fauler Baum, als schlechte Fische, als Böcke u. dergleichen.

Das einzige Haupt der Kirche ist Christus, und zwar das außerhalb stehende Haupt (caput extrinsecum) nach seiner Gottheit, und das innerhalb stehende Haupt (caput intrinsecum) nach seiner Menschheit; jenes war Christus von Anbeginn der Welt, dieses seit seiner Menschwerdung. Christus ist der wahre römische Pontifex, der Hohepriester und Bischof der Seelen. Daher nannten sich die Apostel nicht heiligste Väter oder Häupter der Kirche, sondern Christi Knechte und Diener der Kirche, und noch Gregor der Große wollte nicht allgemeiner Bischof genannt sein. Später hat sich das geändert. Bis auf die Schenkung des Kaiser Constantin war der römische Bischof den übrigen gleich; nachfolgende Kaiser, wie z.B. Ludwig bestätigten jene Schenkung dem heiligen Petrus und dessen Stellvertretern, den Päpsten. Seit dieser Zeit betrachtet sich und gilt der Papst als Haupt (capitaneus) der streitenden Kirche und Statthalter Christi auf Erden, so dass die streitende Kirche auf Erden in gewissem Sinne drei Häupter hat: Christus als Gott, Christus nach seiner Menschheit und den zeitlichen Statthalter Christi.

Aber in Wahrheit lässt sich nicht behaupten, der Papst als solcher sei Stellvertreter Christi und Nachfolger des Apostelfürsten Petrus, ebenso wenig als wie, die Kardinäle als solche seien Nachfolger der Apostel. Der Papst ist nur dann als Christi und Petri Nachfolger und Stellvertreter zu betrachten, wenn er Petrus in dessen Glauben, in dessen Demut und Liebe nachkommt, und die Kardinäle sind nur dann wahre Nachfolger der Apostel, wenn sie diesen in deren Tugenden und Vorzügen nacheifern. Dieses kann aber von andern, die weder Päpste noch Kardinäle waren, eben so wohl gesagt werden. Der heilige Augustinus hat der Kirche mehr genützt als viele Päpste, und in der Lehre vielleicht mehr geleistet als alle Kardinäle von Anfang bis jetzt; wie sollten nun Männer wie dieser, wie Hieronymus, Gregorius, Ambrosius, nicht wahrere und bessere Nachfolger und Stellvertreter der Apostel gewesen sein, als z.B. unser heutiger Papst zusammen mit seinen Kardinälen, die weder durch ein heiliges Leben, noch durch Lehre und Weisheit dem Volke voranleuchten? Im Gegenteil, wenn der Papst und die Kardinäle ihren Beruf nicht erfüllen, wenn sie, anstatt ihren erhabenen Vorbildern nachzustreben und die Nachfolge Christi allein im Auge zu haben, vielmehr ihren Sinn und ihr Streben auf weltliche Dinge richten, wenn sie in Kleiderpracht, in prunkvollen Aufzügen, in übertriebenem Aufwand selbst den Laien es zuvortun wollen, wenn sie durch Habgier und Ehrsucht den Gläubigen Anstoß geben; dann sind sie Nachfolger und Stellvertreter nicht Christi, nicht Petri, nicht der Apostel, sondern des Satan, des Antichrist, Judas Ischariots.

Eben so kann auch nicht gesagt werden, der Papst als solcher sei Haupt der Kirche. Der Papst vermag eben so wenig als irgend ein anderer Mensch von sich mit Bestimmtheit zu wissen, ob er nicht etwa ein Präscitus sei; als ein solcher aber kann er nicht nur nicht Haupt der Kirche sein, sondern ist nicht einmal wahres Glied derselben. Der heil. Petrus hat, wie dies Paulus bezeuget, noch nach seiner Sendung geirrt; Papst Leo war ein Ketzer; ja man sehe sich nur in der Gegenwart um und denke an Gregor XII., den man vor Augen hat und der samt seinem Gegner von der Kirchenversammlung zu Pisa verdammt worden ist.

Das Papsttum ist auch gar nicht notwendig zum Heile und Gedeihen der Kirche. Wenn man wegen der über die ganze Erde verbreiteten Christenheit sagt: „es muss einen Papst geben“, so kann dieses „muss“ nur in jenem Sinn verstanden werden, in welchem in der Schrift geschrieben steht: „es muss Ärgernis kommen“ - doch wehe dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt! In der ersten christlichen Kirche hat es nur zwei Weihegrade gegeben, Diakonen und Presbyter, alles andere ist aus späterer Satzung entsprungen und ist menschliche Einrichtung; aber Gott kann seine Kirche auf den alten Zustand zurückführen. So wie die Apostel und treue Priester des Herrn die Kirche in allen zum Heile nötigen Dingen geleitet haben, bevor das Amt des Papstes eingeführt worden ist; so würde es auch sein, wenn, was sehr möglich ist, wieder kein Papst sein würde, bis zum Tage des jüngsten Gerichtes. Gepriesen sei also Gott, der seinen eingebornen Sohn der streitenden Kirche zum Haupte gegeben, auf dass er am besten ihr vorstehe, sie vollkommen leite, und ihr Dasein, Bewegung und Leben der Gnade einflöße, auch wenn kein zeitlicher Papst da ist, oder ein Weib auf dem päpstlichen Stuhle sitzt.

Was vom Papste und den Kardinälen, das gilt auch von den Prälaten und dem Klerus. Es gibt einen doppelten Klerus, einen Klerus Christi und einen Klerus des Antichrist. Jener ruht auf Christo und dessen Gesetze, arbeitet unermüdlich für die Ehre Gottes und denkt einzig der Nachfolge Christi. Dieser dagegen stützt sich, obgleich er sich in das Gewand des Klerus Christi einhüllt, auf Privilegien, die nach Stolz und Gewinnsucht schmecken, lässt sich angelegen sein, menschliche Satzungen zu verteidigen, strebt ein üppiges prächtiges Leben zu führen. Nicht das Amt macht den Priester, sondern der Priester das Amt; nicht die Stelle heiligt den Menschen, sondern der Mensch die Stelle; nicht jeder Priester ist heilig, aber jeder Heilige ist Priester. Gläubige Christen, welche die Gebote erfüllen, sind groß in der Kirche Gottes, die Prälaten aber, wenn sie die Gebote verletzen, sind die geringsten, und wenn sie Präscite sind, haben sie gar nicht Teil am Reiche Gottes. Wenn man reden hört, die Laien seien gehalten, von den Prälaten zu glauben, dass sie die Häupter der Kirche; so muss im Gegenteile gesagt werden, die Laien seien nichts gehalten von den Prälaten zu glauben, als das wahre. Die göttliche Sendung macht zum Papst, Bischof, Priester, Prediger; ob aber jemand von Gott gesandt sei, lässt sich daraus schließen, dass er nicht seinen Ruhm, sondern Gottes Ehre sucht, nicht seinen Vorteil, sondern der Kirche Wohlfahrt anstrebt, nicht für seine Befriedigung, sondern für das Heil des Volkes wirkt. Wenn daher ein Untergebener an seinem Vorgesetzten einen solchen Wandel nicht wahrnimmt, so ist er nicht gehalten zu glauben, dass jener ein solcher sei nach der zeitlichen Gerechtigkeit, oder gar nach der Prädestination.

Hieraus ergibt sich, wie es mit dem kirchlichen Gehorsam beschaffen sein soll. Die Gehorsamkeit ist der Willensakt einer vernünftigen Kreatur, wodurch sie sich freiwillig und nach eigenem Urteile - voluntarie et discrete - ihrem Vorgesetzten unterwirft. Darum hat jeder Untergebene den Befehl seines Vorgesetzten zu prüfen, ob solcher erlaubt und ehrbar sei; denn fände er, dass der Befehl zum Verderben der Kirche gereichte, dem Seelenheile nahe träte, dann hätte er nicht zu folgen, sondern zu widerstreiten. Jeder treue Sohn Christi muss daher, wenn ihm ein Befehl vom Papste zukommt, erwägen, woher er stammt, ob er Anordnung eines Apostels und der Gesetze Christi, oder wenigstens mittelbar darin enthalten ist, und wenn dieses der Fall, so muss er demütig und ehrfurchtsvoll Folge leisten; wenn das Gegenteil statt findet, dann darf er nicht Folge leisten, sondern muss mutig sich entgegensetzen, um nicht durch Unterwerfung sich des gleichen Verbrechens schuldig zu machen. Diese Widersetzlichkeit ist in solchem Falle der wahre Gehorsam: „devianti papae rebellare est Christo domino obedire“ Und nicht nur widersetzen muss man sich, sondern selbst zurückweisen kann, ja soll man den Obern; denn es steht geschrieben: „Sündigt dein Bruder an dir, so gehe hin und strafe ihn!“ Dies gilt nicht bloß von den mindern Geistlichen gegenüber den höhern, sondern auch von den Laien gegenüber der Geistlichkeit; und wenn die Geistlichen das nicht dulden wollen und sprechen: Wie kommt es euch zu, über unser Leben und unsere Werke zu richten? so sollen die Laien erwidern: Wie kommt es euch zu, von uns Zehenten und Almosen zu verlangen?

Die Gewalt der Schlüssel, d.i. die Macht, die würdigen aufzunehmen, die unwürdigen auszuschließen, ist einzig bei Gott, als welcher zur Seligkeit vorherbestimmt oder die Verdammten vorher weiß. Der Priester hat nicht die Gewalt, von Schuld und ewiger Strafe zu entbinden; selbst der Papst hat diese Gewalt nicht, sonst müsste er unsündhaft und unfehlbar sein, und das ist nur Gott allein; der Priester hat nur den kirchlichen Dienst der Verkündigung - ministerium denunciationis -. Der Priester kann nichts binden noch lösen, wenn es nicht zuvor bei Gott geschehen; und Gott richtet sich nicht nach dem bindenden oder lösenden Urteilsspruch, sondern dieser hat der Gnade Gottes und der Reue des Sünders nachzufolgen. Das Bekenntnis des Mundes ist nicht unerlässlich zur Heilung der Seelen; Beweis dessen sind die kleinen Kinder, die von Natur stummen und tauben, die Bewohner der Wüste und die gewaltsam gemordeten. Die Sünden werden durch Reue und Bekenntnis des Herzens getilgt.
 
 
Jan Hus - Begriff der Kirche
 
Die Kirche ist die Gesamtheit aller Prädestinierten, eine allgemeine (katholische), aber geteilt in drei Teile: die triumphierende; die schlafende (d.i. die im Purgatorium leidende, die Seligkeit erwartende); die noch auf Erden pilgernde, streitende … Am Tage des Gerichts wird aus ihnen allen eine große Kirche sein. Die streitende Kirche auf Erden ist die Zahl der Prädestinierten, die dem Vaterland entgegenpilgert … eins in der Einheit des Glaubens, der Tugenden und der Liebe in der Gegenwart … schließlich eins auch in der Seligkeit, eine allgemeine, apostolische, weil die Apostel sie mit der Lehre Christi und mit ihrem Blute gepflanzt haben, und ihre Vikarien mit dieser Lehre und Autorität sie, die jetzt noch jung ist und ihren Bräutigam sucht, leiten sollen … Die Prädestination, welche die Vorbereitung der Gnade in der Gegenwart und der Glorie in der Zukunft ist, macht zu einem Gliede der hl. Kirche … Christus ist das einzige allgenugsame Haupt der einen Kirche, das der Kirche selbst und jedem einzelnen Gliede geistliches Leben und Bewegung mitteilt, ohne dessen Einwirkung es nicht leben oder fühlen kann … es ist kein anderes Haupt außer ihm … Die Kirche - die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen - ist nur eine von Anfang der Welt an, die unvermischt in derselben ewigen Liebe von ihrem Bräutigam umfaßt ist; da sie also nicht andere Glieder nach dem Tage des Gerichts haben wird, als sie hat und haben wird vor demselben, sondern alle prädestiniert sind, die nach dem Gerichtstag selig werden, so sind auch keine von ihnen vor dem Gerichtstag vorhergewußt, folglich auch keine vorhergewußten Glieder der Kirche, auch ist unmöglich, daß Christus je seine Braut oder einen Teil derselben nicht liebte, da es ihm so notwendig ist, sie zu lieben wie sich selbst ….

Etwas anderes ist es, von der Kirche sein, etwas anderes, in ihr sein, es folge daher nicht, daß, wenn alle Sterblichen in der Kirche sind, sie dann auch von der Kirche sind, sondern umgekehrt. Eine vierfache Art des Verhältnisses der Menschen zur hl. Mutter Kirche ist zu unterscheiden. Einige sind in der Kirche dem Namen und der Sache nach, wie die Prädestinierten, Rechtgläubigen, die Christo gehorchen, einige weder dem Namen noch der Sache nach, wie die vorhergewußten Heiden, einige nur dem Namen nach, wie die vorhergewußten Heuchler, und einige der Sache nach, wenn sie auch dem Namen nach draußen zu sein scheinen, wie die prädestinierten Christen, welche die Satrapen (Bischöfe) des Antichrists angesichts der Kirche zu verdammen scheinen.

Die hl. Mutter Kirche wird aus drei Teilen gebildet. Der erste, der allgemeine und unterste ist das Volk, das von der erlaubten Arbeit lebt, und dieser Teil ist sicher, wenn er die Gebote hält und seiner Arbeit treu obliegt. Der andere Teil der Kirche sind die weltlichen Herren, und dieser Teil, so er seiner Arbeit obliegt, ist besser, aber auch gefährlicher. Sein Amt und Pflicht ist aber, das Gesetz Gottes zu verteidigen, die Diener Christi zu beschützen und die Diener des Antichrist einzuschränken und ferne zu halten, denn dazu tragen sie das Schwert nach Röm. 11.

Ein König soll in Kraft seines Amtes das Gesetz Gottes verteidigen, durch koaktive Macht die Widerstrebenden zwingen und in seinem Reiche die Widersacher des Gesetzes Gottes zerstören.

Es ist daher dieser Stand gefährlich, weil er so geneigt ist, sich vom Hochmut, von weltlicher Habsucht und von träger, sinnlicher Lust überwinden zu lassen. Der dritte Teil der Kirche und der beste ist der Klerus, wenn er wirksam seine Pflicht erfüllt, denn er soll die Welt verbessern, die Kirche beleben als die Seele derselben und nach allen Seiten Christus am nächsten folgen und insofern die Gebote Gottes beobachten und die Räte, um so die liebsten Söhne Gottes zu sein. So er aber abfällt, ist auch keiner schlimmer und böser, ja recht eigentlich der Antichrist, weil, wo der Grad oder Stand höher ist, da auch der Fall schwerer ist, wie an Luzifer sich zeigt und an den Priestern, welche den Herrn gekreuzigt haben, und an Judas.
Die Geistlichkeit

In der dreifachen Schar des christlichen Heeres bildet der Klerus die erste Schlachtlinie, müsse daher mit geistliche Waffen um so stärker gerüstet sein; … dreifache Bewaffnung:

1. die Lenden umgürtet mit Wahrheit, mit dem Gürtel der Heiligkeit, womit vor allem der Leib gegen die Schlüpfrigkeit umgürtet werden soll;

2. mit dem Panzer der Gerechtigkeit, der Tugend, welche jedem in der Tat gebe, was ihm gebühre. Wenn nun aber die Geistlichen den Herrn durch ihre Hoffart verachten, durch schändliche Gewinnsucht und durch Heuchelei die Kirche beflecken, wie erweisen sie Gott ihren schuldigen Dienst? … statt dem Volke zu helfen, berauben sie es, statt es zu verteidigen, unterdrücken sie es gleich den weltlichen Herren … noch grausamer … entgegen dem Gesetz des Herrn.

3. Die Beschuhung der Neigungen des inneren Menschen zur Verkündigung und Vorbereitung des Evangeliums des Friedens … wenn er Christo ähnlich lebe, nicht gezwungen, sondern freiwillig … um der Ehre Gottes und seines eigenen und des Heils des Nächsten willen die Wahrheit der Schrift verkünde und fromm und demütig die Sakramente dem Volke zudiene … Viele laufen und sind nicht gesandt, predigen nicht aus göttlichem Trieb und Rat, sondern nur um Lob, Lohn oder Geschenke zu erhalten … verkündigen dem Volke seine Sünden nicht, sondern predigen Lügen, Possen, falsche erdichtete Mirakel … Viele auch sind, die Geschenke suchen durch Bruderschaftsbriefe, durch ausgesuchte Ablässe, durch erdichtete Reliquien, durch schön gemalte Bilder … Viele auch, die nicht evangelisch, sondern simonistisch für Chrysam (Salbung), Taufe, Kommunion, Ordination, Konsekration der Altäre, Begräbnisse, Geschenke oder bar Geld fordern … Viele endlich sind, welche, mit der Notdurft des Lebens nicht zufrieden, nach mehreren Benefizien zugleich streben.

Die fünf Pflichten des Priesters sind: das Evangelium Jesu Christi wahrhaft predigen; für das Volk unausgesetzt beten; die Sakramente Gottes umsonst bedienen; in der hl. Schrift studieren; ein gutes Exempel anderen geben.

Die da die ersten sind in der Verwaltung des Heiligtums, müssen auch vor allen übrigen gestraft und gewarnt werden, wenn sie irren oder sündigen.

Wollte Gott, wir wären nicht feilere Baalspriester als die Priester der Heiden! … Die Gnade, käuflich und feil, wird so zur Hure gemacht … Sehet zu, ihr Priester, ob es unter euch nicht Gefäße gibt, die Gott ein Greuel sind … Unsere heutigen Bischöfe und Priester und namentlich die Domherrn und faulen Meßstecher können leider kaum das Ende des Gottesdienstes abwarten und eilen aus der Kirche, die einen in die Wirtshäuser, die andern hin und her, um sich auf eine der Priester unwürdige Weise zu unterhalten … die Priester predigen wohl gegen unsere Unzucht und unsere Laster, aber von den ihrigen sagen sie nichts, also ist es entweder keine Sünde, oder sie wollen das Privilegium haben.

Der Papst

Ich nehme an, daß das Wort Papst im geistlichen Sinne jenen Bischof bedeutet, der aufs höchste und ähnlichste die Stelle Christi vertritt, wie Petrus nach der Himmelfahrt getan hat; wenn aber Papst jede Person genannt wird, welche die abendländische Kirche als den römischen Bischof annimmt, um Kirchensachen in letzter Instanz zu entscheiden, den Gläubigen vorzuschreiben, was ihm beliebt, so ist das ein Mißbrauch des Namens … So ist nur der Mensch ein wahrer Stellvertreter dessen, dessen Stelle er vertritt, und von dem er eine Stelle zu vertreten empfangen hat. Niemand führt daher auf wahrhafte, Christo annehmliche Weise die Stelle Christi oder Petri, als wenn er ihm in Werk und Wandel und Lehre folgt; keine andere Nachfolge läßt sich denken; sondern nur unter dieser Bedingung hat man von Gott die stellvertretende Gewalt. Wenn in ihm ein Christo entgegengesetztes Leben sich zeige in Hochmut, in Geiz, in Ungeduld, in Ehrsucht, in Erhebung der Macht und seines Gesetzes über das Gesetz Christi, sein er nach den Worten Christi ein Dieb, ein Mörder, ein Bote des Antichrist … Es zeige also der Papst mit seinen Kardinälen jene geistige Gewalt, wie wir es von den Aposteln wissen, und dann ist Evidenz, daß Christus in ihm spricht … Hat man einmal den Begriff, was ein Apostel ist, so hat man auch den: was apostolisch ist.
O diese gelehrten Theologen mit ihren Schmeicheleien, falschen Erdichtungen, Entschuldigungen, die da lehren, daß der Papst von unbegrenzter Macht sei, denn er vermöge alles, was Christus nach seiner menschlichen Natur vermocht habe; daß er weder Gott noch Mensch sei, sondern ein gemischter Gott, ein irdischer Gott, die lehren, daß der Papst mir eine fremde Sprache geben könne und ich sicher sein solle; daß der Papst einen Bischof ohne Grund absetzen, daß er dispensieren könne von apostolischen Vorschriften, von einem Eid, einem Gelübde, vom natürlichen Rechte, und daß niemand ihm sagen dürfe, warum tust du das? weil er befugt sei zu sagen: so will ich es, so befehle ich es, der Wille gelte statt eines Grundes; und daß er somit unsündlich sei und keine Simonie begehen könne, weil alles sein sei, daß er auch den Engeln befehlen und die Menschen, die er wolle, retten oder verdammen könne!
 
 
 
Jan Hus - Abendmahl
Es gibt vier tiefste, geheimste und höchste Mysterien unseres Glaubens, nämlich: von der heiligsten Trinität; von Gottes Schöpfung und Prädestination; von der Inkarnation des Wortes und von dem ehrwürdigen Sakrament des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesu Christi … Das Mysterium des Altarsakraments gehe nicht bloß über die Sinne eines bloßen Menschen, sondern auch über seinen Verstand und könne nicht voll begriffen werden … der spirituale Genuß müsse dem sakramentalen immer vorausgehen als der notwendigere, zu dem alle Menschen bei Verlust des ewigen Lebens gehalten seien.

I. Warum hat Christus dieses Sakrament eingesetzt? Zu seinem Gedächtnis, zum Gedächtnis seines Leidens, seines Lebens, seiner Werke und Wohltaten, seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Diese Erhebungen von der Erde ans Kreuz, vom Tod ins Leben, von der Welt in den Himmel soll der Priester im Gedächtnis haben, wenn er im ehrwürdigen Sakrament den Leib Christi erhebt.

II. Was ist von diesem Sakrament zu halten? Hier sage ich, daß alles, was Christus von sich aus den Aposteln und durch sie und andere heilige Doktoren gelehrt hat, und was seine heilige römische Kirche hierüber annimmt, das fest zu glauben sei. Und das zu glauben, hat vielen Heiligen im allgemeinen genügt und genügt den Ungelehrten und Einfältigen … daß in Kraft der Macht und Institution Christi des wahren Gottes und wahren Menschen durch den Dienst der Priester im ehrwürdigen Sakrament sein wahrer Leib sei … Der Priester weiht, d.h. macht durch die Kraft der sakramentlichen Worte dienstweise, daß unter der Gestalt des Brotes der wahre Leib Christi ist und ebenso unter der Gestalt des Weines das wahre Blut Christi. Und er tut das, indem er das Brot in seinen Leib, den Wein in sein Blut transsubstaziiert (verwandelt); … nie habe er gepredigt, daß ein Sakrament des Altars die Substanz des materiellen Brotes bliebe, wessen ihn die Feinde der Wahrheit lügnerischer Weise angeklagt hätten … Die Maus (wenn es sich treffen sollte, daß sie das Sakrament nähme und fräße) kann nur die Spezies (Erscheinungsform) des Brotes bewegen, denn sie nimmt das Sakrament nicht sakramental, nicht als Sakrament.

III. Was sind die Endursachen? In Christo bleiben und ihn bleibend in sich haben; in Ewigkeit nicht sterben; das ewige Leben haben.

Ich weiß nicht anders zu sagen, als daß das Evangelium und die Briefe des Paulus direkt für die Austeilung des Abendmahls unter beiden Gestalten sprechen, und daß es in der ersten Kirche so gehalten worden ist … Aus dem Gesagten erhellt somit, daß es den gläubigen Laien erlaubt und gut ist, das Blut Christi auch unter der Gestalt des Weines zu nehmen. … Wie daher der Priester nicht ohne Grund unter beiden Gestalten das Sakrament nimmt, so kann es auch der andächtige Laie auf erlaubte Weise nehmen, da auf beiden Seiten derselbe Grund ist.
 
 
Jan Hus - Merkwürdige Bekenntnisse Johann Hussen's über sich und seine Zeit
 
Der breite Weg, der zum Verderben führet, und der schmale, der zum Leben führet.
 
„Der Kinder des Reichs, (schreibt er in seinem Tractat von dem Greuel der fleischlichen Priester und Mönche) der getreuen Anhänger Jesu des Gekreuzigten, der Liebhaber seiner Schmach, Seiner Demuth, Seiner Einfalt und Armuth; der männlichen Verächter der Welt, ihres Reichthums, ihrer Wollüste, ihrer Ehre sind so Wenige, wie wenn man im Weinberge nachlieset; so verborgen, als wenn sie vor dem Sturm des Ungewitters in einer Grube unter der Erde steckten. Ein Mann ist theurer, denn Gold, und die Heiligen haben so abgenommen, daß kein Prophet mehr ist. Es ist eine solche Bedrängniß und Verfolgung, nicht von den Auswärtigen, sondern von den Einheimischen; nicht von den Sündern, sondern von denen, die den Schein der Heiligkeit haben; nicht von Geringen, sondern von den Vorgesetzten und Vorstehern, nicht durch eine offenbare Grausamkeit, sondern mit scheinbaren Ueberredungen, und unter dem Eifer der Gerechtigkeit; eine Verfolgung, die mit der Liebe zur Jugend geschmückt ist, daß von der Wahrheit verführt werden möchten, wo es möglich wäre auch die Auserwählten. Und wo diese Tage nicht bald verkürzt würden, so würde kein Mensch selig; daher auch meine Füße beinahe geglitten, und mein Herz gewankt hätte. Wo mein gekreuzigter Jesus mir nicht beigestanden wäre, so würde meine Seele bald in der Hölle haben liegen müssen. Aber mein frommer und treuer Jesus hat mir den Sinn der großen Parthei offenbaret, daß ich die Gestalt des verführerischen Weibes (Spr. Sal. c. 7.) erkannt habe, welche alle unvorsichtigen Jünglinge an den Ecken der Gassen an sich zieht, und unter allerhand Schein auf den breiten Weg abführt. Hingegen der schmale Weg, der zum Leben führt, weil er beschwerlich ist, wird von den fleischlichen Lehrern als verdächtig und schädlich den Seelen vorgestellt. Darum habe ich zu Gott, dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, treulich gebeten, meine Bibel habe ich mit meinen Händen gegen Ihn emporgehoben, und mit Mund und Herzen habe ich gerufen: O Gott, mein Herr und Meister meines Lebens, verlaß mich nicht! Uebergieb mich nicht in den Sinn und Rath dieser Leute, behüte mich, daß ich mich nicht selbst klug dünke, noch diesen Leuten heuchle, und in schwere Sünden falle!

Denn ich sage es frei vor Gott und seinem Gesalbten, diese gebrecherische Kirche schmücket sich dermaßen mit dem Schein der Tugend und falscher Demuth, als wäre sie eine Braut Christi, und betrügt damit Manche, so daß ich von meiner Kindheit an bis auf diesen Tag gleichsam zwischen Thür und Angel gestanden, und gezweifelt habe, was ich erwählen solle oder nicht, ob ich begierig und unbescheiden nach Ehren und Pfründen streben solle, welches ich freilich mehrmalen gethan, oder ob ich vielmehr außer das Lager hinausgehen, und die Armuth und Schmach Jesu Christi tragen solle? Ob ich ein geruhiges und gemächliches Leben mit dem größten Haufen suchen, oder der lauteren, d.h. Evangelischen Wahrheit anhangen solle? Ob ich preisen solle, was Alle preisen, rathen, was alle rathen, entschuldigen, wen alle entschuldigen? Die Schrift glossiren, wie in dieser Zeit das alle große, berühmte, gelehrte und mit allem Schein der Heiligkeit und Weisheit angezogene Männer sie glossiren? Oder ob ich vielmehr die unfruchtbaren Worte der Finsterniß dieser Leute männlich anklagen, bestrafen und mich einfältiglich an die lautere Wahrheit des göttlichen Wortes halten solle, welche offenbar den Sitten derselben widerspricht, und beweiset, daß sie falsche Christen und Brüder sind? Ob ich dem Geist der Andacht und seinen Eingebungen folgen solle, von welchem ich glaube, daß es der Geist Jesu Christi sey, welcher mir offenbarte, daß Jener ihr Leben nur eine Maske der Gottseligkeit sey, indem sie unter dem Schein der Andacht die Welt lieb haben, und nur das Ihre suchen, nicht aber das, was Jesu Christi ist; oder ob ich mich richten solle nach der unzähligen Menge derer, welche aufs herrlichste und beste, ruhig und gemächlich, und doch daneben klug und andächtig leben, und sich getrost rühmen, sie stehen in Christo; aber dabei keine Liebe, keine Barmherzigkeit beweisen, sondern mit Worten und Werken verrathen, daß sie die Welt und das vergängliche Leben lieb haben. Ich bekenne noch einmal, daß ich bis daher also auf beiden Seiten gehinkt habe. In der einen Stunde, wenn ich die Artigkeit der Weltliebhaber gesehen, lobte ich ihren Fleiß und Gehorsam, den sie Christo zu erweisen schienen, und strafte mich selber, daß ich ihnen noch nicht nachgefolgt sey. Und dieses begegnete mir gemeiniglich des Morgens. Es geschah aber, daß ich in einer andern Stunde wieder verwirrt hinwegging, und bereuete, daß ich sie gelobt hatte, wenn ich nehmlich sahe, wie sie ihre Eitelkeit fortsetzten, und der Wahrheit Jesu Christi, die sie erst mit Worten gelobt hatten, mit Werken widersprachen. Und dieser Widerspruch ist bei ihnen den ganzen Tag, ja das ganze Leben lang zu sehen. Des Morgens geben sie ihren Mund her, Gott zu loben; den übrigen Tag aber gebrauchen sie denselben Mund, eitle Dinge zu reden ,zu fressen, zu saufen, zu lästern. Des Morgens sind sie andächtige Leute, den Tag über grausam und geizig. Des Morgens halten sie mit großer Ordnung ihre Stunden, aber nach dem Essen reden sie Eitles, suchen Eitles, und entschuldigen doch alles damit, daß wir schwache Menschen seyen. Da nun das insgemein geschieht, auch von großen und gelehrten Männern, die dazu dem Ansehen nach fromm und andächtig sind, und zwar mit Anziehung der Schrift, mit großer Beredsamkeit und Anführung vieler scheinbaren Gründe, womit sie diese und dergleichen Dinge entschuldigen, so habe ich erkannt, was ich nachmals bekannt habe, daß, wenn unser Herr und Heiland einem nicht mit einem besondern Schutze beistehe, so könne kein Mensch diesem verführerischen Weibe, diesem Anlächeln und Betrügen des Satans, diesen Netzen des Antichrists entfliehen.
2. Der Durchbruch.

Ueber das 8. Cap. des Propheten Ezechiel schreibt Huß folgendes: Der Herr sprach zu mir, das ist, er gab mir durch die alles überwindende Wahrheit, durch seinen Geist, ein: Du Menschenkind, grabe durch die Wand, das ist, durchforsche die verborgensten Seiten, den Leib der Sünde und die Werke des Satans. Dringe hindurch mit dem Schwerdt des Geistes, welches ist das Wort Gottes. - Vorher, so lange mich die dicke Wand umgeben, war ich gefangen, und lag in einem süßen Schlaf begraben, und gab mir Mühe, daß ich auch so angenehm in einer schönen Kammer wohnen möchte. - Aber dem Herrn Jesu hat es gefallen, mich wie einen Brand aus dem Feuer herauszureißen, obwohl ich böser Knecht meiner Lüste so oft ihm dabei widerstrebte, wie Loth den Engeln, da sie ihn aus dem Brande Sodom's erretten wollten. Und er führte mich hinein in das Haus des Traurens und der großen Widerwärtigkeit, der Unehre und Verachtung. Da bin ich erst zerknirscht und ein armes Sünderchen1) geworden, und zitterte vor Gottes Wort. Da habe ich angefangen, die Wahrheit der göttlichen Schrift zu bewundern, wie unveränderlich in allen Dingen sie erfüllet werde. Da fing ich erst an, über die Tiefen des Satans zu erstaunen, wie er, als der Gott dieser Welt, auch der Weisen Augen verblendet, und mit seinem dicken Nebel sogar alles Fleisch bedecket habe. Da, da hat mein treuer Jesus, der Gekreuzigte, mir erst recht das Ohr geöffnet, daß ich die Schrift verstand, die auf diese Zeit sich schicket, und hat mein Gemüth erhoben, daß ich die von der Eitelkeit verschlungenen Menschen erkannte. Wenn ich nun die Schrift las, so verstand ich nun erst den Greuel der Verwüstung, wie er so groß und breit und so fest stehe an heiliger Stätte, darüber ich heftig erschrocken bin, und mein Herz heulte in mir.

Ich nahm die Klaglieder Jeremiä und las sie oft durch, und ermahnte alle andere zwischen dem Eingang und dem Altar, daß sie mit mir weinen sollten über alles Unglück, das Jerusalem getroffen hat. Und es fuhr in mich, das ist in meine Brust, ein Feuer, ein neues, gewaltiges und ungewöhnliches, aber über alle Maßen angenehmes Feuer. Und solches währet von da an noch jetzt in mir fort, und wird um so mehr in mir entzündet, je mehr ich in meinem Gebet zu Gott und dem gekreuzigten Jesus erhoben werde. Es weicht niemals zurück, und nimmt nicht ab, als wenn ich Christi Jesu vergesse und die genaue Zucht in Essen und Trinken nachlasse. Denn da werde ich umdüstert und zu allen guten Werken untüchtig gemacht; bis ich wieder von ganzem Herzen, und mit tiefem Seufzen, und Flehen mich umwende zu Jesu Christo, dem wahren Arzt, der ein strenger Richter ist, und ein ernster Rächer ist auch eines unnützen Wortes, ja auch der Gedanken, die auch ohne Bewußtseyn und Vorsatz geschehen. Da erfahre ich, daß Er allein der wahrhaftige Gott und Herr ist, der mit Ernst geboten hat, Seine Befehle zu bewahren, und ich entsetze mich vor Seinen Gerichten, der einen so plötzlich in die Hölle führet, und wieder in den Stand der Gnaden hinaufhebt. Alsdann kommt das Feuer wieder, und meine Füße werden auf den Fels gestellt, daß ich bereit bin zu allem guten Werk.

Darauf gehorchte ich der Stimme des Herrn, und grub durch die Wand auf eine dreifache Weise. Erstlich, indem ich täglich dem Volke predigte; darnach, indem ich Tag und Nacht mit großer Sorgfalt diese Bücher zusammenschrieb. Denn ich bin ganz gewiß, daß, wenn dieses mein Werk2) aus Menschen ist, so wirds untergehen. Und dann will ich mich freuen und mir selber gratuliren, daß es untergehet. Denn das Fleisch ist kein Nütze, und die fleischlich sind, können Gott nicht gefallen. Darum werde ich mich herzlich freuen, wenn dieses Werk sollte von Menschen seyn3), und untergehen. Wird es aber aus Gott seyn, und aus dem Geiste des gekreuzigten Jesu, so weiß ich auch, daß es nicht wird können verhindert noch aufgehalten werden; die Wahrheit des Herrn Jesu wird hervor leuchten und ausgebreitet werden, wie geschrieben stehet: Ihr werdet vor Könige und Fürsten geführet werden um meines Namens willen, zum Zeugniß über sie.
3. Das Gebet Hussen's, womit er sich zu Gott wandte, da er die Erklärung des Briefes Jacobi anfangen wollte.

Der einige Gott, Vater, Sohn und h. Geist würdige mich nach seiner Barmherzigkeit, meine Unreinigkeit zu tilgen, mit seiner göttlichen Kraft mein Herz zu erleuchten, und lasse den Thau der Gnade vom Himmel herabträufeln, damit ich tüchtig werde, durch seinen Beistand und Hülfe meine Begierden beständig und demüthiglich zur höchsten Seligkeit zu erheben. Denn wo die Gnade des h. Geistes nicht bei uns ist, so ist alles bei uns eitel und vergeblich. Er ist es, von dem alle unser Thun anfangen und zu dem es wieder zurückkehren muß. - Da ich mir nun vorgenommen habe, mit der Erklärung der Epistel des . Apostels Jacobi einen Anfang zu machen, so werde ich nun und nun geängstigt. Es drückt mich hart die Last meiner Sünden; es demüthigt mich meine Unwissenheit; meine inwendigen Kräfte tappen wie ein Blinder umher. Ich weiß nicht, wo ich hinfliehen soll, als zu Dir, mein Gott! denn Du bist es allein, der die Sünden vollkommen vergiebt, die Unwissenden heilsam unterweiset, die Kräfte stärket, und den Demüthigen den Weg der Wahrheit eröffnet. Was soll ich thun? Ach, ich erzittere, wenn ich Dich loben soll; denn der weise Mann sagt: das Lob stehet nicht schön in dem Munde eines Sünders, Sir. 15.

Was soll ich anfangen, o Herr? Wo soll ich hinaus? - Den Himmel, wo Dein Thron ist, darf ich nicht anschauen, denn ich bin ärger als jener Zöllner. - Was ist mir armen und elenden Menschen noch übrig gelassen? Nichts, als daß ich an meine Brust schlage und von Herzensgrund spreche: Gott, sey mir Sünder gnädig! - Hilf mir, Herr, so Du willst, kannst Du mich wohl reinigen. - … Da ich weggegangen war, wie jener verlorene Sohn in ein fernes Land, so will ich jetzt wieder umkehren zu meinem Vater. Ich war ein Sünder, und brachte meine Seele um; ich war todt. Aber, Herr, wecke mich wieder auf, daß, wenn die Bande der Sünde und Unwissenheit aufgebunden sind, ich mit Lazaro auch würdiglich erkennen und Deine Wahrheit beständig bekennen möge. Aber demüthige auch mein Herz, und mache, daß ich mich fürchte vor Deinen Geboten, damit Dein Geist sanft über mir ruhe. Denn Du sagst bei dem Propheten: Ueber wem wird mein Geist ruhen, als über dem Demüthigen, Sanftmüthigen, und der vor meinem Worte sich fürchtet! Wo Dein Geist nicht in einem Menschen ruhet, so wird derselbe nichts zur Seligkeit Dienendes wirken können; er ist dann ein abgerissener Rebe, und verdorret. Darum komme, heiliger Geist, und sende vom Himmel den Glanz Deines Lichtes, und erleuchte die Herzen der Menschen, daß das Wort des Lehrenden und der Zuhörenden zum Gedeihen komme, weil ohne Dein Wirken die Arbeit des Lehrers vergeblich ist.

Denn wer lehret die Herzen der Einfältigen, als der, welchen der Sohn vom Vater gesendet hat, daß er den einfältigen Fischern alle Wahrheit lehre? Wer macht den Ehebrecher und Mörder zu einem Psalmisten? Wer den Zöllner zu einem Evangelisten? Wer den Verfolger der Gemeinde zu einem Lehrer der Heiden? Wer die Sünderinn zu einer Predigerinn? Wer den Samariter zu einem Christen? Und den Zöllner zu einem Gerechtfertigten? Dein Geist allein ist es, der erfüllet den Harfenschläger und macht ihn zu einem Psalmendichter; der geräth über den Kuhhirten, als er Maulbeeren las, und machte ihn zu einem Propheten. O, was ist dieser Geist für ein Künstler! Wen er anrühret, den lehret er; sein Anrühren ist Lehren. Er thut plötzlich weg, was war, und stellt schnell dar, was nicht war. Siehe, wie gnädiglich dieser Geist des Herrn von Sünden reiniget, die Irrenden zurückruft, die Einfältigen erleuchtet. Da ich nun unter diesen der Geringste bin, durch die Finsterniß der Sünde geschwächt, und mit der Hülle der Unwissenheit umgeben, und da der Herr gut ist den Seelen die auf Ihn hoffen, so verlasse ich mich auf seine Barmherzigkeit, und fliehe zu Dir, Herr, der Du der stummen Eselinn den Mund aufgethan, daß sie mit Menschenstimme redete, und den Knaben zu einem ansehnlichen Propheten gemacht, und mit einem Worte geboten, daß der Todte redete.

Du wollest mir geben von Deinen Brosamen, die von Deinem Tische fallen, womit ich mein so hungriges Herz sättigen möge. Ach, Herr, erleuchte mein Herz mit dem Geist der Weisheit, der das Verborgene des inwendigen Menschen reinigt, die Schwachen stärkt, die Todten belebt, die Abgöttischen zum Dienst des wahren Gottes leitet, der beste Lehrmeister, der die hohen Herzen nicht kennt, aber gerne bei den Demüthigen ist. Ihm übergebe ich mich ganz und gar, daß er in mir nützlich anfange, und heilsam zur Erlangung der Seligkeit vollende! Die Gnade helfe mir, und lasse mich vollführen, was den Zuhörern nützlich werden möge zur ewigen Seligkeit!
der Luther und die Gans
Hus bedeutet Gans
Luther wird oft mit Hus verglichen...

 
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Reformatoren


 „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen“.
Hus bedeutet tschechisch Gans. Später brachte man dies mit Luther in Zusammenhang und machte deshalb den Schwan zu dessen Symbol.
Aus: Jan Hus - Wikipedia , woher auch die Bilder kommen.

 
Hier noch ein Märtyrer der wärend der Reformationszeit Luthers lebte, und hingerichtet wurde. Sicherlich es gibt noch mehr Mätyrer der Gottes Kind ist, aber das würde das Thema überfüllen!

William Tyndale

Blutzeuge 1536

William Tyndale geb. 1484? - Gefoltert 6. Oktober 1536

Zuletzt, nach langer Beweisführung, auch wenn keine Beweise dienlich waren, und er den Tod nicht verdiente, wurde er durch Kraft des Kaisers Urteil, beschlossen in der Versammlung in Augsburgh, verurteilt, und durch die Selbigen zum Hinrichtungsort gebracht. Dort wurde an den Marter Pfahl gebunden und dann durch den Henker stranguliert und hinterher mit Feuer vernichtet am Morgen, in der Stadt Filford, A.D. 1536; So am Marter Pfahl gebunden, rief er mit inbrünstigem Eifer und lauter Stimme, „Herr, öffne die Augen des Königs von Englands“.

Text vom 2. Band der Kirchlichen Geschichte, Seite 301-306; Mit dem Inhalt der Handlungen und Denkmale der Märtyrer.


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Sonne der Gerechtigkeit
 
 
1.  Sonne der Gerechtigkeit, / gehe auf zu unsrer Zeit; / brich in deiner Kirche an, / daß die Welt es sehen kann. / Erbarm dich, Herr.

2.  Weck die tote Christenheit / aus dem Schlaf der Sicherheit; / mache deinen Ruhm bekannt / überall im ganzen Land. / Erbarm dich, Herr.

3.  Schaue die Zertrennung an, / der kein Mensch sonst wehren kann; / sammle, großer Menschenhirt, / alles, was sich hat verirrt. / Erbarm dich, Herr.

4.  Tu der Völker Türen auf, / deines Himmelreiches Lauf / hemme keine List noch Macht. / Schaffe Licht in dunkler Nacht. / Erbarm dich, Herr.

5.  Gib den Boten Kraft und Mut, / Glaubenshoffnung, Liebesglut, / laß viel Früchte deiner Gnad / folgen ihrer Tränensaat. / Erbarm dich, Herr.

6.  Laß uns deine Herrlichkeit / ferner sehn in dieser Zeit / und mit unsrer kleinen Kraft / üben gute Ritterschaft. / Erbarm dich, Herr.

7.  Kraft, Lob, Ehr und Herrlichkeit / sei dem Höchsten allezeit, / der, wie er ist drei in ein, / uns in ihm läßt eines sein. / Erbarm dich, Herr.


Text: Str. 1.6 Christian David (1728) 1741; Str. 2.4.5 Christian Gottlob Barth 1827; Str. 3.7 Johann Christian Nehring 1704, neu gestaltet von Otto Riethmüller 1932
Melodie: Böhmen 1467, Nürnberg 1556; geistlich Böhmische Brüder 1566
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